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„Landlärm“ gehört zum Leben auf dem Dorf dazu – Bauern wehren sich gegen Klagen von Zugezogenen – Petition läuft

NIEDERSACHSEN. Immer mehr Menschen zieht es auch in Niedersachsen raus aufs Land, „home office“ macht’s möglich. Die Coronakrise war und ist ein Katalysator für veränderte Lebensgewohnheiten und Arbeitsprozesse. Manch Städter staunt, dass das Landleben aber nicht immer so beschaulich abläuft wie im Bilderbuch. Und nicht wenige fühlen sich gestört von Geräuschen – sei es vom Trecker oder Mähdrescher, vom Hahn, der Ente oder Kuh. „Im ländlichen Raum gehören Gackern und Muhen dazu. Und wer dörflichen Sound oder den Duft von Mist nicht aushält, muss sich vielleicht drei Mal überlegen, ob er wirklich die Stadt gegen das Dorf eintauschen will“, sagt Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr.

Hintergrund sind wiederkehrende Klagen gegen Landwirte und Gemeinden, initiiert von Menschen, die sich durch Tier- oder Maschinengeräusche gestört oder sogar belästigt fühlen. Große Bekanntheit hat vor einiger Zeit Gockel „Maurice“ in Frankreich erlangt: Gegen den stolzen Hahn respektive seinen Besitzer wurde prozessiert, und die französische Nationalversammlung hat als letzte Instanz den Schutz typisch ländlicher Geräusche und Gerüche per Gesetz festgeschrieben.

Landvolkvizepräsident Ulrich Löhr wirbt um Verständnis, wenn Landwirte auch mal spätabends mit dem Trecker aufs Feld fahren

Im Nachbarland gehören also Hahnenkrähen, Stallgerüche und Glockenläuten nun offiziell zum Kulturgut, zum „Sinnes-Erbe“ dazu, wie es in der Begründung heißt. Damit konnte Frankreich die Flut von Klagen gegen das Gackern, Muhen und Blöken eindämmen. Viele Landwirte fordern hierzulande, dass auch die deutsche Regierung ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen möge. Davon hält Ulrich Löhr aber nichts: „Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich normalerweise durch Zusammenhalt aus. Wir Landwirte freuen uns über neue Einwohnerinnen und Einwohner in den ländlichen Gebieten. Deshalb setze ich auf Dialog und Verständnis, wenn ich auch mal spätabends in der Ernte mit dem Trecker los muss.“

Hühnerhalterin Sylvia Stengel aus Hofheim bei Frankfurt hat vor einem Jahr eine Petition ins Leben gerufen, die sich für den Schutz des Landlebens einsetzt. Sie begründet ihre Initiative damit, dass ein Gesetz ähnlich wie in Frankreich die bäuerliche Nutztierhaltung sowie ortsübliche Emissionen unter „kulturellen Schutz“ stellen und den Gerichten viel Zeit sparen würde. Auf der Internetseite www.openpetition.de/petition/online/ortsuebliche-emissionen-des-landlebens-als-kulturelles-erbe-schuetzen kann noch sechs Monate mitgezeichnet werden. „Aufgrund von Corona ist die Frist verlängert worden“, erzählt Silvia Stengel. Sie ist sich sicher, dass die noch 8.000 fehlenden, digitalen Unterschriften von insgesamt 50.000 erforderlichen Stimmen noch zusammenkommen. „Meiner Erfahrung nach reicht es nicht, beim Thema Landlärm nur auf Dialogbereitschaft zu setzen.“

LPD
Foto: Landvolk Niedersachsen




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