Öffentliche Mobilität fördern statt verteuern!
Das Deutschlandticket wird bereits zum 4. Mal verteuert: bei seiner Einführung in der Energiekrise 2022 hat es drei Monate lang 9 € gekostet. Von Mai 2023 bis Dezember 2024 kostete es 49 €, anschließend 58 € im Jahr 2025, 63 € in diesem Jahr und es soll ab 2027 ganze 66,8 € pro Monat kosten.
Der VCD Elbe-Heide kritisiert die mit steigenden Energiepreisen begründeten einseitigen Preissteigerungen: bei Kraftstoffen wird für 2,5 Milliarden Euro erneut ein umstrittener Tankrabatt für drei Monate umgesetzt. Bund und Länder bezahlen insgesamt für das Deutschlandticket gerade einmal 3 Milliarden Euro pro Jahr. Sie weigern sich, diesen Betrag zu erhöhen, um den Preis des Tickets stabil zu halten – stattdessen wird ein wesentlich höherer Betrag ausgegeben, um einen weiteren Tankrabatt einzuführen.
„Der Tankrabatt unterstützt gerade nicht die Menschen, die es am meisten brauchen: 53 % der ärmsten Haushalte haben gar kein Auto. Überhaupt kann ein Drittel der Deutschen kein Auto fahren, z. B. aufgrund von Alter oder körperlichen Einschränkungen. Öffentlicher Verkehr steht hingegen allen Menschen offen und stellt somit die soziale und ökologische Alternative dar“, sagt Jonas Korn, Vorstand des VCD Elbe-Heide.
Züge, Schnellbahnen, Straßenbahnen und Busse müssen dabei durch On-Demand-Verkehre ergänzt werden, damit auch die Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil sein können, die in ländlichen Regionen leben.
„Es ist eine krasse Fehlentscheidung, Geld mittels des Tankrabatts an die Ölkonzerne zu geben – Energiepreissteigerungen betreffen viele Güter: warum sollte eine Entlastung der Verbraucher*innen ausgerechnet über verbilligten Kraftstoff stattfinden. Zudem hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass das Geld zu wesentlichen Teilen nicht an die Autofahrenden weitergegeben wird“, ergänzt Astrid Völzke vom VCD Elbe-Heide.
Während Löhne, aber auch soziale Leistungen auf der einen Seite, automobile Subventionen auf der anderen Seite in der Regel nicht automatisch an die Inflation angepasst werden, wird die inflationsbedingte Preissteigerung im Falle des Deutschlandtickets komplett an die Nutzenden weitergegeben. Möchte man sozial entlasten so wären Vergünstigungen bei Lebensmitteln und Mieten – sowie im öffentlichen Personenverkehr – die richtige Wahl. Auch könnte – wie von der Vorgängerregierung angekündigt – ein Klimageld an alle Deutsche ausbezahlt werden.
Für den neuen Betrag bleibt das Deutschlandticket für bestimmte Gruppen weiterhin attraktiv: Pendler*innen, die Bus und Bahn täglich nutzen, sparen so Geld. Jede Verteuerung führt jedoch dazu, dass die Umstiegseffekte von Personen sinken, die den öffentlichen Nahverkehr nicht täglich nutzen. Das 9€-Ticket hat gezeigt, dass das Fahrgastpotential immens ist, wenn der öffentliche Nahverkehr nicht verteuert, sondern vergünstigt oder sogar kostenlos wird. Selbstredend muss dann auch die Taktung sowie die Anzahl der Fahrzeuge und Verbindungen gesteigert werden – alles machbar, wenn die Subventionierung des Automobilsektors eingestellt wird.
Aktuell kommen jährlich lediglich ca. 9-12 Milliarden Euro der Kosten des ÖPNV durch Ticketeinnahmen zusammen – ein insgesamt kostenloser ÖPNV wie in Luxemburg würde also etwa diesen Betrag kosten. Der deutsche Staat fördert den Autoverkehr aktuell mit Subventionen in Höhe von ca. 17 Milliarden Euro – vor allem in Form des Dienstwagenprivilegs, der Pendlerpauschale sowie in Steuervergünstigungen für Diesel-Kraftstoff.
„Würde man den Betrag der Subventionen des Automobilsektors 1:1 auf den öffentlichen Verkehr umgelenkt, könnte dieser nicht nur kostenlos sein, sondern es blieben auch noch 5-8 Milliarden Euro jährlich, um diesen auszubauen!“, rechnet Jonas Korn vom VCD Elbe-Heide vor. Weitere zukünftige Einsparungen sind möglich, wenn auf viele Neu- aus Ausbauprojekte des Bundesverkehrswegeplans sinnvollerweise verzichtet wird.
Es gibt eine wachsende Zahl von Orten und Regionen mit kostenlosem ÖPNV. Dazu gehören viele Städte in Australien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Serbien, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, USA und Vietnam, aber auch Orte in Deutschland (Augsburg, Erlangen, Hanau, Schwetzingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Viechtach, Bad Doberan, Zingst, Monheim, Fehmarn, Heiligenhafen und Sankt Peter-Ording). Auch der Heide-Shuttle in der Lüneburger Heide ist ein Beispiel für kostenlosen ÖPNV. Hinzu kommen sehr viele zeitlich (z. B. samstags) oder altersmäßig (Schüler-/Azubi-/Seniorenticket) begrenzte Vergünstigungen oder Nulltarife. Auch diese begrüßt der VCD Elbe-Heide als erste Schritte zu einem insgesamt kostenlosen ÖPNV.
Mehr als ein Fünftel der Treibhausgasemissionen Deutschlands stammen aus dem Verkehrssektor. Dazu kommen Emissionen für automobile Infrastrukturen, die dem Bausektor zugeschlagen werden. Durch Pkw wurden 2025 mehr als 2800 Menschen getötet und ca. 371.000 Personen verletzt. Der Neubau an Straßen für den Autoverkehr ist zudem ein wesentlicher Treiber der Biodiversitätskrise. Mehr als ein Drittel des Mikroplastiks in der Natur stammt aus dem Abrieb von Autoreifen und -bremsen. Das sind einige der vielen Gründe dafür, wieso ein Umlenken im Verkehrsbereich dringend notwendig ist. Günstiger oder kostenloser ÖPNV stellt einen wichtigen Baustein dieser Verkehrswende dar.
In Umfragen begrüßen weit mehr als die Hälfte der Deutschen die Einführung eines kostenlosen ÖPNV.
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Foto: moerschy / Pixabay
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