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AGL: 1,2 Mio. € Förderung für 2 Groß-Kehrmaschinen mit Wasserstoffantrieb

LÜNEBURG. Die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH (AGL) erbringt für die Hansestadt Lüneburg unter anderem auch die kommunale Dienstleistung der Stadtreinigung. Die Straßenreinigung ist ein Teil dieser Dienstleistung. Auf rund 344 Km Straße, inklusive den Plätzen, Geh- und Radwegen, sind gut 1,8 Mio. € an Flächen regelmäßig zu reinigen. Dabei fallen jährlich rund 1.700 t an Kehrgut im Stadtgebiet Lüneburg an, das überwiegend mit Kehrmaschinen unterschiedlichster Größe, je nach Einsatzgebiet, aufgenommen wird. Bei der AGL ist dazu bereits eine erste kleinere E-Kehrmaschine emissionsfrei im Einsatz.

Symbolische Förderbescheid-Übergabe vor den alten Großkehrmaschinen: AGL-Geschäftsführer Lars Strehse (Zweiter von links) freut sich über die Förderung, die Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols (Dritter von links) stellvertretend überreichte. Mit Strehse freuen sich Oberbürgermeister Ulrich Mädge (von rechts), AGL-Betriebshofleiter Frank Fugel, Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze und Tilman Wilhelm von der NOW GmbH.

Mit großer Freude haben wir jetzt erfahren, dass wir durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) eine Förderung von bis zu rund 1,2 Mio. € für die Anschaffung von 2 Großkehrmaschinen mit emissionsfreier Brennstoffzellen-Technik erhalten. Gefördert wird die Anschaffung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 2) – koordiniert von der NOW GmbH, umgesetzt durch den Projektträger Jülich (PtJ).

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Weniger Treibhausgas-, Schadstoff- und Lärmemissionen im Stadtgebiet – der Einsatz von zwei neuen klimafreundlichen Großkehrmaschinen in Lüneburg ist eine echte Investition in die Zukunft. Das BMVI unterstützt das Projekt mit über 1 Million Euro aus voller Überzeugung, denn wir arbeiten daran, unser Land bis 2045 klimaneutral zu machen. Dafür braucht es engagierte Akteure vor Ort. Lüneburg geht hier mit gutem Beispiel voran.“

Mit der Förderung wird es der AGL ermöglicht, in die Anschaffung von Fahrzeugen und diesmal bereits im Fahrzeugsegment der schweren LKW-Sonderfahrzeuge mit emissionsfreien Wasserstoffantrieb zu investieren.

Die AGL startete bereits 2008 und damit lange vor der eigentlichen Diskussion über alternative Antriebe im kommunalen Bereich, mit dem Einsatz von prototypähnlichen E-Fahrzeugen. Mittlerweile nimmt die AGL mit ihrem hohen Anteil an E-Fahrzeugen und den damit verbundenen Einsparungen von CO2 und Stickoxyden im bundesweiten Vergleich mit Städten vergleichbarer Größe eine Vorreiterrolle ein. Hinzu kommt, dass die AGL zu den wenigen kommunalen Betrieben gehört, die Ihren Strom selbst produzieren. Bei der AGL werden alle Elektro-Fahrzeuge mit 100 Prozent ökologisch gewonnenem Strom betrieben, ohne dass dazu fossile Brennstoffe verbraucht werden oder Biomasse für die Stromerzeugung produziert werden muss oder andere natürliche Ressourcen verbraucht
werden, da das ohnehin auf der eigenen Kläranlage anfallende Klärgas verstromt wird. Die Betriebsstätten der AGL an der Bockelmannstraße sind energieautark. Spätestens in 2022 werden bei der AGL 21 E-Fahrzeuge in Betrieb sein. Das sind 20 % der gesamten Flotte. Im Vergleich zu 2016 werden somit rund 13 % des jährlichen, mobiltätsbedingten CO2-Ausstosses oder 51 t/a eingespart sein. Unter den Fahrzeugen finden sich auch Spezialfahrzeuge wie ein Müllpressfahrzeug, eine Hubarbeitsbühne und Inspektionsfahrzeuge für die Kanalinspektion und ein Servicefahrzeug der Spielplatzkontrolle. Auch der erste E-LKW mit Ladepritsche ist in der Fertigung befindlich.

Bis spätestens 2029 möchte die AGL weitestgehend vollständig, auch beim Fahrzeug- und Geräteeinsatz, mit dem Betrieb klimaneutral sein. Nach derzeitiger Einschätzung werden bis dahin nicht alle Fahrzeuge und Geräte auf alternative Antriebe umstellbar sein. Die AGL hält z.B. mobile dieselbetriebene Notfallpumpen vor oder benötigt Außenbordmotoren für Boote, die auch im Not- und Katastrophenfall eingesetzt werden können.

Aus folgenden, vor allem auch strategischen, Überlegungen beabsichtigen wir auch die Investition in die H2 Brennstoffzellen-Technologie:

· Uns geht es um die Reduzierung von Treibhausgasen aber auch schon immer um den Einsatz emissionsfreier Antriebe aus Gründen des Gesundheitsschutzes für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger unser Hansestadt. Diese modernen E- und H2-Fahrzeuge emittieren keine Schadstoffe mehr und sind wesentlich leiser im Betrieb. Der große Vorteil des H2-elektrischen Antriebes im Vergleich zu anderen, lediglich emissionsärmeren, Treibstoffen die in der Diskussion, um zukünftige Antriebssysteme, befindlich sind, wie z.B. Methanol, Liquid Natural Gas (LNG), Ammoniak usw. liegt darin, dass eben keinerlei Treibhausgase und sonstige Luftschadstoffe aus dem Betrieb der Fahrzeuge resultieren. Nur die Reduktion des Schadstoffanfalls bei modernen
Antrieben könnte bei Skaleneffekten global betrachtet, den vermeintlichen Vorteil dieser Techniken wiederum negieren. Die AGL hat beste Erfahrungen mit E-Antrieben gemacht. Die ersten E-Fahrzeuge mussten nach 12 Jahren und intensiver Nutzung ausrangiert werden, weil die Fahrgestelle und Karosserie abgängig waren, nicht aber der Antriebsstrang und auch nicht die Akkumulatoren.

· Die Wasserstofftechnologie könnte ein globaler „Game-Changer“ in Bezug auf die Herausforderungen, resultierend aus dem Klimawandel, werden. Im Wasserstoff könnten zukünftig Energie aus regenerativen Quellen (Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie) gespeichert werden. Weitestgehend unabhängig von E-Verteilungsnetzen, Pipelines usw. kann Wasserstoff überall produziert und gehandelt werden. Damit bestehen global unseres Erachtens auch große Entwicklungs- und Innovationspotenziale in jeglicher sozial-ökonomischer Hinsicht.

· Für die Produktion von Wasserstoff benötigt man auch Wasser. Somit wäre schon heute eine Produktion auch im Kläranlagenbetrieb möglich, da Wasser und Überschussstrom (2020: 1,0 Mio. Kwh), der heute in das Netz eingespeist wird; vorhanden ist. Eingesetzt werden könnte ein Elektrolyseur.

· Es zeichnet sich technologisch ab, dass zukünftig Wasserstoff auch im Abwasserreinigungsprozess selber erzeugt werden könnte. Eine Pilotanlage dazu läuft bereits bei der Berliner Stadtentwässerung und auch bei den Kollegen in
Hannover plant man bereits den Test der Technologie. Diese Technologie steht somit möglicherweise zukünftig im Kontext der Diskussion um die Einführung der 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen, zur Elimination von Spuren- und Mikroschadstoffen, wie z.B. Medikamentenrückständen.

Siehe: www.bdew.de/verband/magazin-2050/wasserstoff-gruener-treibstoff-aus-dem-klaerwerk/

· An der TU-Ilmenau forscht man an der Herstellung von Solarmodulen, die Wasserstoff direkt aus der solaren Energie produzieren können. Das wäre ein technologischer Quantensprung. Siehe: wwwalt.tu‐ilmenau.de/forschung/blogeintraege/wasserstoff‐aus‐sonnenlicht‐neue‐rekordeffizienz‐bei‐der‐direkten‐solaren‐wasserspaltung/

· Die Spezial-Kommunalfahrzeuge, wie z.B. die Kehrmaschinen, Saug- und Spülfahrzeuge, mit ihren Nebenantrieben erfordern hohe Leistungsbereitstellungen und müssen jederzeit auch im Not- und Katastrophenfall, sowie überregional und dauerhaft zuverlässig in den Einsatz gehen können. Bei derartigen Situationen und gegebenenfalls auch dem Ausfall der E-Netze müssen Fahrzeuge, wie heute auch, mobil oder an Tankstellen betankt werden können.
Aus diesem Grund kommen für solche Fahrzeugtypen rein elektrische Antriebssysteme nicht in Frage.

· Aus eigenen Erfahrungen im Betrieb mit E-Fahrzeugen und allgemeinen Berichterstattungen, müssen wir davon ausgehen, dass bei rein elektrischen Antriebssystemen bei Extremwetterlagen, mit hohen oder eben niedrigen
Temperaturen, aufgrund des Betriebes der Fahrzeugheizungen und der Klimaanlagen, realistisch die Gefahr besteht, dass die geplanten Reichweiten nicht möglich sind. Kommt dann noch ein hohes Verkehrsaufkommen und Stausituationen dazu, sind Probleme, bei einer sogenannten ausschließlichen „Nachtladung“ im Depot, absehbar. Aus dem H2-Brennstoffzellenbetrieb selber kann die benötigte Wärme und Kälte, zu Temperierung der Fahrzeugkabine, produziert werden.

· Die ausschließliche Installation von E-Schnellladepunkten für schwere LKW im Depot würde erhebliche Investitionen und Folgekosten in den E-Netzausbau und die erforderliche Brandschutztechnik nach sich ziehen. Dem gegenüber wollen wir die H2-LKW, wie auch heute praktiziert, an einer öffentlichen Tankstelle betanken. Eine Betriebstankstelle oder eine eigene Wasserstoffproduktion, zu reinen Mobilitätszwecken, würden wir erst vorsehen, sofern das wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die AGL ist Mitglied des Wasserstoffnetzwerkes Nordostniedersachsen ( H2.N.O.N) und in der Entwicklung eines Wasserstoffnetzwerkes engagiert – www.h2non.de.

Wir sind in fortgeschrittenen, konkreten Gesprächen mit Unternehmen befindlich, die in Lüneburg eine Wasserproduktion und eine Tankstelle, im Industriegebiet „Hafen“, etablieren möchten. Somit kann die AGL ihren Beitrag zur Marktaktivierung im Bereich der Wasserstoffwirtschaft leisten.

Die AGL kann sich gut vorstellen, dass bei ihr dann vorhandene kommunale Zero-Emission-Spezialfahrzeuge zukünftig auch in den Nachbargemeinden Lüneburgs sinnvoll zum Einsatz kommen könnten.

Die AGL hofft jetzt, dass viele Unternehmen in der Region Lüneburg dem Beispiel folgen und ebenfalls anfangen jetzt in die moderne Technologie nachhaltig zu investieren. Dazu hat das BMVI in 2021 ein umfangreiches Förderprogramm, nicht nur für kommunale Unternehmen, gestartet.

Siehe: www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Mobilitaets-Kraftstoffstrategie/Foerderung-Nutzfahrzeuge-Alternative-Antriebe/foerderung-nutzfahrzeuge-alternative-antriebe.html

gez. Strehse
Foto: Hansestadt Lüneburg




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