Unterrichtsausfall bleibt Riesenproblem in Niedersachsen

NIEDERSACHSEN. Am vergangenen Freitag legte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die aktuellen Zahlen zur derzeitigen Unterrichtsversorgung vor. Deren Quote liegt aktuell bei 99,6 Prozent, ein Jahr zuvor waren es 99,4 Prozent. Minister Tonne sprach von einem ‚soliden Wert‘ und einem ‚weiteren Schritt nach vorne‘. „Der Kultusminister redet die gravierenden Schwierigkeiten weiter klein. Denn der Durchschnittswert von 99,6 Prozent verschleiert die teils katastrophalen Werte an Haupt-, Real- und Oberschulen. Während im landesweiten Durchschnitt die Gymnasien mit 102,2 Prozent Unterrichtsversorgung am besten versorgt sind, erreichen die Gesamtschulen 99,1 Prozent, die Realschulen 98,1 Prozent, die Oberschulen 97,1 und die Hauptschulen nur noch 94,3 Prozent. Die Förderschulen liegen sogar nur noch bei 93,4 Prozent. Das zeigt doch deutlich, dass Minister Tonne eben nicht einen Schritt nach vorne gemacht hat, sondern auf dem Weg der notwendigen Verbesserungen bei der Unterrichtsversorgung im Lande noch gar nicht losgelaufen ist, geschweige denn überhaupt schon die Schuhe anhat“, übt Lars Leopold, Landesvorsitzender der niedersächsischen LINKEN, scharfe Kritik.

Leopold weiter: „Die aktuellen Zahlen bieten überhaupt keinen Anlass zum Feiern. Deshalb sollte der Minister den Schampus lieber im Kühlschrank lassen. Der Kultusminister muss endlich aufhören, konzeptlos an den Symptomen herumzudoktern. So werden etwa Imagefilmchen werden keine neuen Lehrkräfte in ausreichender Zahl motivieren, nach Niedersachsen zu kommen. Für eine deutliche Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs wird man nicht darum herumkommen, die Arbeitsbelastung zu verringern, die Klassenstärken zu reduzieren und die Lehrkräfte durch ausreichend Sozialarbeiter*innen zu unterstützen.“

Co-Vorsitzende Heidi Reichinnek ergänzt: „Dass Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen schlechter bezahlt werden als ihre Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien, ist überhaupt nicht nachvollziehbar und ganz sicher ein Grund dafür, dass dieser Berufszweig nicht ganz oben in der Beliebtheitsskala rangiert. Damit auch künftig neue Lehrerinnen und Lehrer gewonnen werden können, müssen alle Lehrkräfte mindestens nach A13 besoldet werden. Auch die Zahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld für unsere Lehrkräfte, welches schon vor langer Zeit gestrichen wurde, hilft den Beruf attraktiver zu machen. Das heißt auch, endlich deutlich mehr Studienplätze zu schaffen und die Studienbedingungen deutlich zu verbessern. Ziel muss es sein, eine Unterrichtsversorgung von mindestens 105 Prozent an unseren Schulen zu erreichen. Dann sind auch Ausfälle wegen Elternzeit, Krankheit, Fortbildungen und andere schulische Aktivitäten einkalkuliert. Jedes weitere Zögern der Landesregierung bedeutet noch mehr Unterrichtsausfall und wird die Krise weiter verschärfen.“

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