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Multiresistente Bakterien – Lies: „Umwelt ist Spiegelbild unseres Antibiotikaeinsatzes“

HANNOVER. Als „Spiegelbild des Antibiotikaeinsatzes in der Human- und Veterinärmedizin“ hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies die vorläufigen Ergebnisse des landesweiten Sondermessprogramms Multiresistente Bakterien bezeichnet. Am häufigsten konnten demnach Resistenzen und Stoffe bzw. Antibiotikagruppen nachgewiesen werden, die routinemäßig auch in der Human- und Veterinärmedizin am häufigsten zum Einsatz kommen. Nur selten wurden Bakterien gefunden, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent seien. „Das Vorkommen von Resistenzen ist in erster Linie vom Einsatz von Antibiotika abhängig“, sagte Lies. „Die Umwelt ist Spiegelbild dieses Einsatzes. Deshalb ist es wichtig, Antibiotika so weit wie möglich zu reduzieren und dass das Land seine schon vor Jahren auf den Weg gebrachte Antibiotika-Strategie konsequent weiter verfolgt.“ Die Ergebnisse seien kein Anlass zur Besorgnis, betonte Lies. Aber die Ergebnisse seien auch kein Grund, nicht zu handeln. „Jetzt müssen wir schauen, wo wir nachbessern können, wo wir Antibiotika reduzieren können. Jede Form der Reduzierung ist wichtig und richtig und muss von uns vorangebracht werden. Die Untersuchungen stellen bisher nur Stichproben dar. Nach Vorliegen der endgültigen Ergebnisse werden wir auch intensiv daran arbeiten, wie diese Ausbreitung direkt an den Quellen z.B. in Krankenhäusern reduziert werden kann. Für uns zählt immer der Besorgnisgrundsatz. Das heißt, wir müssen soweit reduzieren wie möglich.“ Wichtig seien auch bundeseinheitliche Standards für eine Risikobewertung, betonte Lies, „und damit einhergehende Überlegungen dazu, welche Konzentrationen vernünftigerweise tolerierbar sind und welche nicht.“

Aufgrund von Funden von multiresistenen Bakterien in Oberflächengewässern hatte Niedersachsen ein landesweites Sondermessprogramm auf den Weg gebracht. Insgesamt wurden an die 200 Gewässerproben auf Antibiotikarückstände, bakterielle Belastungen und Resistenzen sowie auf klinisch relevante Resistenzgene untersucht. Die Gewässerproben wurden an 80 ausgewählten Standorten genommen, darunter Stellen an Kläranlagen, in Regionen mit einer hohen Viehdichte, sowie an Stellen, an denen bereits die Gewässergüte beprobt wird. Zudem wurden Proben in einer Kanalisation, im Küstenbereich sowie an vermeintlich unbelasteten Standorten gezogen. Die Untersuchung wurde vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn durchgeführt.

Die wichtigsten Zwischenergebnisse:

  • Die meisten antibiotischen Substanzen wurden in den Kläranlagenzu- und -abläufen festgestellt.
  • An den Hintergrund- und Küstenmessstellen sowie in Seen, die z.T. auch Badegewässer sind, konnten keine oder nur geringe Konzentrationen der untersuchten Antibiotikarückstände nachgewiesen werden.
  • Am häufigsten konnten Resistenzen und Stoffe bzw. Antibiotikagruppen nachgewiesen werden, die routinemäßig auch in der Human- und Veterinärmedizin am häufigsten zum Einsatz kommen.
  • Das in der Krankenhaushygiene viel diskutierte Bakterium MRSA (Methicilin-resistente Staphylococcus aureus) konnte wie erwartet nicht nachgewiesen werden.
  • Bakterienstämme mit Resistenzen gegen drei Antibiotikaklassen (3MRGN) wurden an verschiedenen Untersuchungsstellen und in unterschiedlicher Konzentration gefunden. Wie erwartet waren die Funde von dreifach resistenten Bakterien und die Konzentrationen von Antibiotikarückständen in der untersuchten Kanalisation hinter einem Klinikum sowie im Bereich von Kläranlagen höher als an anderen Stellen.
  • Bakterienstämme, die gegen vier Antibiotikaklassen (4MRGN) resistent sind, wurden selten gefunden.

Die Ergebnisse des Landes sollen jetzt in das bundesweit laufende und geförderte HyReKa-Projekt einfließen (Hygienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in klinischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern).

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