Freitag, 11. September 2026

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Energiewende 2.0: Chancen für Uelzen durch Bürgerbeteiligung und regionale Wertschöpfung

Mehr als 40 Bürgerinnen und Bürger besuchten den Vortrag „Energiewende 2.0“ von Sven Giegold, zu dem der Kreisverband Uelzen BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN eingeladen hatten. Im Mittelpunkt standen nicht nur Windkraft und Solarenergie, sondern vor allem auch die Frage, wie die Energiewende wirtschaftlich und gesellschaftlich gestaltet werden kann.

Giegold, ehemaliger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und langjähriges Mitglied des Europäischen Parlaments, sieht die Entwicklung bei den erneuerbaren Energien grundsätzlich als entschieden an. Wind und Solarstrom würden weltweit massiv ausgebaut, während neue Atom und fossile Kraftwerke wirtschaftlich zunehmend unter Druck gerieten.

Die nächste große Aufgabe sei die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie. Während der Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung bereits stark gestiegen sei, hinkten Gebäude und Verkehr deutlich hinterher. Wärmepumpen und Elektroautos könnten fossile Energie zunehmend ersetzen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür seien moderne Stromnetze. Giegold kritisierte den Digitalisierungsrückstand der Verteilernetze und forderte einheitliche technische Standards. Mit Smart Metern und dynamischen Stromtarifen könnten Verbraucherinnen und Verbraucher Strom explizit dann nutzen, wenn besonders viel erneuerbare Energie vorhanden und der Preis dadurch besonders niedrig sei.

Für Zeiten mit wenig Wind und Sonne, die sogenannte Dunkelflaute, hält Giegold zusätzliche gesicherte Leistung für notwendig. Dabei sollten Gaskraftwerke, Speicher, flexible Industrie, Biogas und Stromimporte möglichst miteinander konkurrieren können.

Besonders wichtig sei auch die Frage, wem die neue Energieinfrastruktur gehört. Für den ländlichen Raum sieht Giegold große Chancen durch Bürgerenergiegenossenschaften. „Wenn Windparks und Solaranlagen von Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und regionalen Unternehmen betrieben werden, kann ein größerer Teil der Wertschöpfung vor Ort bleiben“, so Giegold. Diese Frage wurde auch aus dem Publikum
aufgegriffen. Teilnehmer äußerten den Wunsch nach einer landkreisweiten Bürgerenergiegenossenschaft, über die sich auch Bürgerinnen und Bürger an neuen Wind- und Solarprojekten beteiligen können. Problematisch sei allerdings, dass viele Flächen bereits langfristig vergeben und Projekte durch externe Investoren entwickelt worden seien.

Giegold warnte zugleich vor zu einfachen Versprechen: Die Energiewende werde zunächst erhebliche Investitionen in Netze und Infrastruktur erfordern. Langfristig seien erneuerbare Energien jedoch eine große wirtschaftliche Chance.

Sein Fazit: Die Frage sei längst nicht mehr, ob sich die erneuerbaren Energien durchsetzen, sondern wie die neue Energieversorgung organisiert wird und wer von ihr profitiert. Gerade für den Landkreis Uelzen könne die Energiewende deshalb weit mehr sein als Klimaschutz, Es ist eine Chance für regionale Wertschöpfung mit Bürgerbeteiligungen.

PR
Foto: Conny Schütze-Russu

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