Allee des Monats November 2020

NIEDERSACHSEN. Die Allee des Monats November 2020, gekürt vom Niedersächsischen Heimatbund (NHB), verbindet seit jeher die Orte Husum und Brokeloh an der K 8 im Landkreis Nienburg/Weser. Die Winter-Linden (Tilia cordata) stehen so dicht beieinander, dass sie zu jeder Jahreszeit einen beeindruckenden Tunnel bilden. So hat die Allee fast einen geheimnisvollen Charakter, da es unter dem dichten Blätterdach sogar im Sommer duster ist.

Bis 1903 stand eine Birken-Allee vom Rittergut Brokeloh aus in Richtung Husum, die auch zum Gut gehörte. Der baumgesäumte Sandweg führte bis zur Brokeloher Grenze und sollte damals mit Steinen befestigt werden. Doch hierfür musste die Birken-Allee weichen. Eberhard Niemeyer beschrieb in seinem Buch „Die Geschichte des Gutes Brokeloh 1545-1916“ die Entwicklungen rund um das Rittergut Brokeloh und dokumentierte somit auch die Geschichte der Allee: „Durch den Wegfall der beiden Reihen stattlicher Bäume verlor die Gegend ungemein, an der neu hergestellten Fahrstraße hat die Gemeinde aber wieder Birken anpflanzen lassen.“ Diese Neuanpflanzung erfolgte vermutlich um 1910, allerdings wiederum nur bis zur Brokeloher Grenze. Die restliche Strecke bis nach Husum wurde mit Winter-Linden eingefasst. Doch weil Birken nicht so alt werden, sind nur noch sehr wenige erhalten.

Zur damaligen Zeit hatte man durch den Ausbau der Brokeloher Straße, die heutige K 8, einen besseren Anschluss des Ortes Brokeloh an die Bahnstrecke bei Linsburg erwartet, nachdem die ursprünglichen Hoffnungen, direkt ans Gleis angeschlossen zu werden, sich nicht erfüllt hatten.

Für den heutigen Verkehr ist die Straße zu schmal für zwei von einem Mittelstreifen getrennte Fahrspuren. Der Begegnungsverkehr zwischen Lkw und landwirtschaftlichen Fahrzeugen gestaltet sich schwierig. Teilweise führen die Begegnungen dazu, dass die alten Bäume, die die Fahrbahn seit über 100 Jahren begrenzen, beschädigt werden. Die Anwohner hoffen, dass zukünftig zumindest der Lkw-Verkehr unterbleiben könnte, da es durch die Eröffnung der Nienburger Südumgehung mit dem Südring unnötig ist auf dieser Strecke von Linsburg beziehungsweise Meinkingsburg an der Bundesstraße 6 querab nach Landesbergen an die nächste Bundesstraße, die B 215, zu fahren.

Sabine Lüers-Grulke, Alleenfreundin und Redakteurin des Magazins Land erleben, hatte zur Vervollständigung der Alleen-Geschichte auch Uwe Könemann, Leiter der zuständigen Straßenmeisterei Lemke im Geschäftsbereich Nienburg der niedersächsischen Straßenbauverwaltung, um Mithilfe gebeten: Einer der ältesten Mitarbeiter des Bauhofs konnte sich daran erinnern, dass die Bäume im Jahr seines Arbeitsbeginns, 1958, schon ziemlich dick und umfangreich gewesen seien. Das lässt darauf schließen, dass die Winter-Linden tatsächlich aus der Zeit kurz nach 1910 stammen und bereits um die 100 Jahre alt sind. Die enge Bepflanzung, der dadurch entstehende beeindruckende Tunnel-Effekt und das hohe Alter der Bäume machen diese Allee zu einer der wertvollsten in Niedersachsen.

Der NHB setzt sich seit 2015 verstärkt für den Schutz und Erhalt von Alleen in Niedersachsen ein. Seit Februar 2019 führt der NHB das von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung geförderte Projekt „Alleepaten für Niedersachsen“ unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministers für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Dr. Bernd Althusmann durch. Das Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks aus Alleenpatenschaften, in dem sich Ehrenamtliche für die Alleen vor ihrer Haustür engagieren können. Vorläufer war das Projekt „Die 500 schönsten und wertvollsten Alleen Niedersachsens“, in dessen Verlauf bis Mitte 2018 mit Hilfe der Bevölkerung erstmals eine repräsentative Übersicht mit rund 2.000 der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens aufgestellt werden konnte. Alleen können weiterhin unter https://alleen-niedersachsen.de/start gemeldet werden. Eine Übersicht über die Projektergebnisse findet sich unter www.heimatniedersachsen.de > Projekte.

PR
Foto: Lotte Niemeyer



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