Kommunalwahl in Uelzen: Stichwahl um Landratsposten – AfD legt deutlich zu
Die Kommunalwahl hat auch im Landkreis Uelzen die politischen Kräfteverhältnisse spürbar verändert. Während bei der Landratswahl erst eine Stichwahl die endgültige Entscheidung bringen wird, verlieren bei den Wahlen zu Kreistag und Stadtrat vor allem die etablierten Parteien Stimmen. Deutlichster Gewinner ist wie im benachbarten Landkreis Celle die AfD. Gleichzeitig steigt die Wahlbeteiligung deutlich.
Bei der Landratswahl liegt Heiko Blume (CDU) im vorläufigen Endergebnis mit 41,3 Prozent klar vorne. Für einen Sieg im ersten Wahlgang reicht das jedoch nicht. Blume muss deshalb in die Stichwahl gegen Jan Henner Putzier (SPD), der 21,9 Prozent erreicht.
Wie knapp Putzier den zweiten Platz behauptete, zeigt der Blick auf die absoluten Stimmen: Auf den SPD-Kandidaten entfielen 11.014 Stimmen, auf den parteilosen Daniel Fleischer 10.936. Damit trennen beide lediglich 78 Stimmen. Fleischer kommt auf 21,7 Prozent. Léonard Hyfing von der UWG erreicht 15,2 Prozent.
Die Wahlbeteiligung bei der Landratswahl lag bei 67,5 Prozent.
Kreistag: AfD legt 13 Prozentpunkte zu
Noch deutlicher als bei der Personalwahl fallen die Verschiebungen bei der Kreistagswahl aus.
Die CDU bleibt mit 30,5 Prozent stärkste Kraft, verliert jedoch 5,1 Prozentpunkte. Auch die SPD muss Einbußen hinnehmen und fällt um 3,9 Punkte auf 19,8 Prozent.
Die Grünen erreichen 14,8 Prozent und verlieren zwei Prozentpunkte. Die UWG kommt auf 8,8 Prozent und büßt 0,9 Punkte ein. Besonders deutlich verliert die FDP: Sie erreicht nur noch 1,8 Prozent, ein Minus von 4,1 Prozentpunkten.
Der mit Abstand größte Gewinner ist die AfD. Sie kommt auf 18,1 Prozent und verbessert sich gegenüber der Kommunalwahl 2021 um 13,0 Prozentpunkte.
Damit liegt die AfD beim Stimmenanteil nur noch 1,7 Prozentpunkte hinter der SPD.
Im neuen Kreistag mit 42 Sitzen entfallen nach dem vorläufigen Ergebnis 13 Sitze auf die CDU, jeweils acht auf SPD und AfD sowie sechs auf die Grünen. Die UWG erhält vier Sitze. FDP, BSW und Linke kommen jeweils auf einen Sitz.
Auch Die Linke legt zu. Sie erreicht 3,2 Prozent und verbessert sich um 3,2 Prozentpunkte. Das erstmals angetretene BSW kommt auf 1,6 Prozent.
Die Wahlbeteiligung bei der Kreistagswahl liegt bei 67,4 Prozent – 7,4 Prozentpunkte höher als beim Vergleichsergebnis.
Ähnliche Entwicklung im Uelzener Stadtrat
Noch ausgeprägter zeigt sich die Verschiebung bei der Wahl zum Rat der Hansestadt Uelzen. Am Montagmorgen waren alle 55 Gebiete ausgezählt.
Die CDU bleibt mit 27,5 Prozent stärkste Kraft, verliert allerdings 5,7 Prozentpunkte. Die SPD kommt auf 23,8 Prozent und büßt sogar 8,0 Punkte ein. Die Grünen liegen mit 11,6 Prozent nahezu auf ihrem vorherigen Niveau, verlieren 0,6 Punkte.
Auch hier erzielt die AfD den mit Abstand größten Zuwachs. Sie erreicht 18,7 Prozent und gewinnt 13,7 Prozentpunkte hinzu. Damit liegt sie im Stadtrat nur noch rund fünf Prozentpunkte hinter der SPD.
Die FDP fällt auf 1,4 Prozent und verliert 2,8 Punkte. Die Linke kann sich dagegen auf 5,0 Prozent steigern und gewinnt 3,1 Punkte hinzu. Die UWG Stadtbereich Uelzen erreicht 4,5 Prozent und verliert 1,7 Punkte. Neu beziehungsweise zusätzlich vertreten sind unter anderem BSW, Tierschutzpartei und GfU.
Auffällig ist auch hier die gestiegene Beteiligung: 62,8 Prozent der Wahlberechtigten nahmen an der Stadtratswahl teil, acht Prozentpunkte mehr als beim Vergleichswert.
Markwardt bleibt Bürgermeister der Hansestadt
Keine Überraschung gab es bei der Bürgermeisterwahl in der Hansestadt Uelzen. Amtsinhaber Jürgen Markwardt (SPD) trat ohne Gegenkandidaten an. Er erhielt 76,2 Prozent Ja-Stimmen, 23,8 Prozent stimmten gegen ihn. Insgesamt wurden 12.720 Ja-Stimmen und 3.972 Nein-Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,7 Prozent. Alle 54 Gebiete waren bereits am Sonntagabend ausgezählt.
Auf Ortsebene bleibt das Bild vielfältiger
Bei den Ortsratswahlen zeigt sich allerdings, dass sich der kreisweite Trend nicht ohne Weiteres auf jeden einzelnen Ort übertragen lässt.
In Groß Liedern, Hanstedt II und Mehre wird die SPD mit 42,4 Prozent stärkste Kraft vor der CDU mit 33,4 Prozent. In Oldenstadt, Ripdorf, Tatern und Woltersburg erreicht die SPD sogar 52,9 Prozent.
Anders sieht es beispielsweise in Masendorf, Molzen und Riestedt aus: Dort kommt die CDU auf 68,1 Prozent. In Hansen und Veerßen erreicht sie 59,7 Prozent, in Kirchweyhe und Westerweyhe sogar 71,3 Prozent. In Holdenstedt und Klein Süstedt wiederum wird die UWG Holdenstedter Bürger mit 47,7 Prozent stärkste Kraft.
Die Ortsratswahlen machen damit deutlich, wie stark kommunale Ergebnisse weiterhin von örtlichen Kandidaten und Strukturen geprägt werden.
Deutliche Verschiebung im Parteiensystem
Für Landkreis und Hansestadt insgesamt lässt sich der Wahlabend dennoch klar zusammenfassen: CDU und SPD bleiben bedeutende Kräfte, verlieren aber erheblich an Stimmenanteilen. Auch Grüne, UWG und vor allem FDP müssen bei der Kreistagswahl Verluste hinnehmen.
Gleichzeitig steigt die AfD sowohl im Kreistag als auch im Uelzener Stadtrat massiv. Mit einem Plus von 13,0 beziehungsweise 13,7 Prozentpunkten ist sie der auffälligste Gewinner der Kommunalwahl.
Die Auswirkungen werden sich nun vor allem bei der Bildung politischer Mehrheiten zeigen. Im Kreistag ebenso wie im Stadtrat sind die Kräfteverhältnisse deutlich stärker aufgefächert als zuvor.
Bei der wichtigsten Personalentscheidung des Landkreises ist der Wahlabend dagegen noch nicht beendet: Heiko Blume und Jan Henner Putzier müssen in der Stichwahl erneut gegeneinander antreten.
Bei den genannten Zahlen handelt es sich um die am Montagvormittag vorliegenden vorläufigen Ergebnisse der Kommunalwahl vom 13. September 2026.
Redaktion
Uelzener Presse
Foto: Uelzener Presse
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