„Say it Loud!“ in Uelzen: Gemeinsam laut gegen Rassismus und Rechtsextremismus
Laut sein gegen Rassismus und Rechtsextremismus, für Menschenwürde, Vielfalt und Demokratie eintreten und dabei Musik, Begegnung und gemeinsames Engagement miteinander verbinden: Auf dem Herzogenplatz in Uelzen fand gestern das „Say it Loud! – Festival gegen Rassismus“ statt. Eingeladen hatte der Verein „Uelzen bleibt bunt“ gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und politischen Jugendorganisationen.





































Bereits am Nachmittag füllte sich der Herzogenplatz. Neben einem umfangreichen Musikprogramm erwarteten die Besucher Informationsstände, Workshops und Mitmachangebote. Moderiert wurde das Festival von Johannes Flügge und „Sky“ von der Grünen Jugend.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Frank Heinrich, stellvertretender Vorsitzender von „Uelzen bleibt bunt“. Heinrich machte gleich zu Beginn deutlich, wofür das Festival stehen soll: „Wir vertreten hier die Gleichberechtigung aller Menschen.“ Die im Grundgesetz verankerte Unantastbarkeit der Menschenwürde müsse immer wieder öffentlich vertreten werden. „Als Gegenposition natürlich stehen wir gegen Rassismus, gegen Rechtsextremismus. Auch das kann man laut sagen.“
Als weiteres Stichwort nannte Heinrich die Solidarität. Wer seine Haltung nicht laut äußern wolle, könne sie auch mit einem Zeichen zum Ausdruck bringen. In Anlehnung an einen Song der Band Madsen rief er zu „Faust hoch gegen Faschismus“ auf.
Am Rande der Veranstaltung berichtete Heinrich, dass das Festival inzwischen zum achten oder neunten Mal in Uelzen stattfinde und in den vergangenen Jahren stets gut angenommen worden sei. Dabei stehe keine einzelne Organisation hinter dem Festival. Menschen aus unterschiedlichen Parteien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Initiativen arbeiteten zusammen. Die Organisationsgruppe setze sich immer wieder neu zusammen.
Parteipolitischer Wahlkampf solle auf dem Festival ausdrücklich keine Rolle spielen. Dass unter anderem Linksjugend, Grüne Jugend und Jusos vertreten waren, erklärte Heinrich mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen anzusprechen. Gleichzeitig richtete sich das Angebot an alle Generationen. Dazu gehörten auch Familienangebote.
Vom Kaffeekollektiv bis zur Geschichtswerkstatt
Wie breit das Netzwerk hinter dem Festival aufgestellt ist, zeigte sich bei einem Rundgang der Moderatoren über den Herzogenplatz. Das Offene Antifa Treffen (OAT) Uelzen stellte seine Arbeit ebenso vor wie der DGB und die IG Metall Jugend. Hinzu kamen unter anderem politische Jugendorganisationen, die Omas gegen Rechts, LOVEstorm, „beherzt“, die Geschichtswerkstatt Uelzen und der Verein „Uelzen bleibt bunt“.
Auch Gäste von außerhalb des Landkreises waren vertreten. Der SüdheideBUNDT, eine Initiative für Vielfalt und Demokratie aus dem Landkreis Celle, war mit einem Stand nach Uelzen gekommen und warb zugleich für eine eigene Veranstaltung in Bergen.
Für Gespräche sorgte unter anderem ein „Debattierfahrrad“, bei dem per Glücksrad Gesprächsthemen ausgewählt werden konnten. Kreativ wurde es an anderen Ständen mit dem Gestalten von Beuteln, Demonstrationsschildern, bunten Händen oder Armbändern. Mit einem Laufzettel konnten sich Besucher näher mit den Inhalten der verschiedenen Initiativen beschäftigen.
Die Geschichtswerkstatt Uelzen informierte über ihre langjährige Beschäftigung mit der Geschichte von Stadt und Landkreis. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Zeit des Nationalsozialismus. Ergänzend war ein antifaschistischer Stadtrundgang angekündigt.
Auch „beherzt“ widmete sich dem Rechtsextremismus in der Region. Martin Rabe erklärte bei der Eröffnung, die Gruppe setze sich seit Jahren gegen völkischen Einfluss auf die Gesellschaft ein. Man habe sich bereits „viel zu sehr an bestimmte Dinge gewöhnt“, warnte er.
Rabe brachte ein Buch mit, das nach seinen Angaben nicht käuflich zu erwerben ist und keinen Titel trägt. Auf den einzelnen Seiten seien Schicksale von Menschen dokumentiert, die aufgrund von Hass und Rassismus verfolgt, geschlagen oder ermordet worden seien. Das Buch legte er auf dem Platz aus, damit Besucher darin lesen konnten. „Musik ist nicht nur was zum Entspannen. Musik ist auch Widerstand“, sagte Rabe.
OAT erinnert an Ayoub
Deutlich politischer fiel später der Redebeitrag des Offenen Antifa Treffens Uelzen aus. Für das OAT sprach ein Redner, der unter dem Namen „Sticker“ auftrat. Im Mittelpunkt seiner Rede stand der Tod von Ayoub. Das OAT verband die Erinnerung an dessen Schicksal mit deutlicher Kritik am Handeln staatlicher Stellen und forderte eine Gedenktafel am Tatort auf dem Herzogenplatz.
Zum Abschluss seiner Rede zitierte „Sticker“ die Auschwitz-Überlebende und Musikerin Esther Bejarano: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen.“ Anschließend fügte er hinzu: „Ayoub würde noch leben, wenn der Staat gehandelt hätte.“
Omas gegen Rechts appellieren an den Mut des Einzelnen
Auch zwei Sprecherinnen der Omas gegen Rechts, die ihre Namen auf der Bühne nicht nannten, wandten sich an die Besucher. Ihr Appell richtete sich nicht nur an Großeltern. Sie fragten zunächst nach Omas und Opas sowie Müttern und Vätern im Publikum und riefen dazu auf, bei rassistischen oder diskriminierenden Äußerungen nicht zu schweigen.
Eine der Sprecherinnen berichtete dabei sehr persönlich von ihren eigenen Erfahrungen. Früher habe sie Angst gehabt, etwas zu sagen, wenn sie Diskriminierung erlebt habe. Durch ihr Engagement bei den Omas gegen Rechts sei sie immer mutiger geworden – „und stehe sogar hier“.
Besonders emotional wurde es, als sie von ihrer eigenen Familie sprach: „Ich werde demnächst das erste Mal Oma und ich wünsche mir, dass dieses Kind in dieser Freiheit, in der Demokratie aufwachsen kann, so wie wir aufgewachsen sind.“ Der Anblick der Menschen auf dem Herzogenplatz mache ihr Mut.
Die Omas gegen Rechts verstehen sich als überparteilich und warben zugleich dafür, selbst aktiv zu werden. „Wir brauchen euch alle, jeden Einzelnen“, lautete ihr Appell.
„Jeder Mensch ist ein Mensch“
Dieter vom Bündnis gegen Rechts stellte in seinem Redebeitrag die universellen Menschenrechte in den Mittelpunkt. Er bekannte sich zu Menschenrechten, Menschenwürde und Gleichheit und warnte davor, diese Werte auf einzelne Nationen oder Bevölkerungsgruppen zu beschränken.
„Wir sind eins, und zwar alle, weil wir Menschen sind“, sagte Dieter. „Jeder Mensch ist ein Mensch.“ Eine Gesellschaft beginne dort in Richtung Autoritarismus zu rutschen, wo Empathie verloren gehe. Deshalb rief er dazu auf, respektvoll, freundlich und aufmerksam miteinander umzugehen. Dann habe die von ihm angesprochene „blaue Welle keine Chance“.
Seinen Beitrag beendete er optimistisch: „Wir sind die Zukunft. Wir schaffen das und wir machen das. Wir sind die Hoffnung.“
Musik gehört zum politischen Konzept
„Say it Loud!“ setzte allerdings nicht allein auf Reden und politische Information. Musik und Kultur waren wesentliche Bestandteile des Festivalkonzepts. Den musikalischen Auftakt übernahm die junge Schülerband „Die Garteninstrumente“. Zum weiteren Programm gehörten Linden Legendz mit Hip-Hop und Tanz sowie die Bands NACKT, Ruff&Tuff und Riot Teddy.
Workshops und Informationsangebote beschäftigten sich unter anderem mit Hass im Internet, völkischen Siedlungsstrukturen und regionaler Geschichte. Zugleich gab es Essen, Getränke und Kaffee sowie zahlreiche Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Damit wurde der Herzogenplatz für einen Nachmittag und Abend zu einem Treffpunkt ganz unterschiedlicher Initiativen und Generationen. Der gemeinsame Nenner war bereits bei der Eröffnung formuliert worden: öffentlich für demokratische Werte einzustehen und Rassismus und Rechtsextremismus nicht unwidersprochen zu lassen.
Redaktion
Uelzener Presse
Foto: Uelzener Presse
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