Hans-Henning-Holm-Preis 2026 an Helga Bürster
Der Hans-Henning-Holm-Preis für niederdeutsches Hörspiel geht in diesem Jahr an die Autorin Helga Bürster aus Dötlingen. Ausgezeichnet wird sie für ihr Hörspiel „Töven“, das 2025 von Radio Bremen und dem NDR produziert wurde und auf ARD Sounds zu hören ist.
Das preisgekrönte Stück spielt in Littelbüttel, wo die letzte Busverbindung in die nächste Stadt endgültig eingestellt wird. Eine Katastrophe für Rieke und Inga, die auf die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln angewiesen sind. Als Alternative installiert die Gemeinde eine „Mitfahrerbank“, denn auf den Zusammenhalt der Menschen in dem kleinen Dorf ist schließlich Verlass! Dass Theorie und Praxis weit auseinanderliegen, erfahren die eigenständigen und eigentlich lebensfrohen Frauen nur allzu schnell: Zwar werden die Freundinnen zu Lokalberühmtheiten, doch die Abhängigkeit von der Hilfsbereitschaft anderer setzt ihnen zusehends zu und lässt sie zu unkonventionellen Mitteln greifen.
Inspiriert wurde die Autorin zu diesem Stück, als in ihrem Heimatort die Busverbindung plötzlich gestrichen wurde. „Das Hörspiel hat die Jury sowohl durch seine Aktualität und Originalität als auch durch die hohe Sprachkompetenz und die professionelle Gestaltung überzeugt. Helga Bürster verarbeitet das Thema leicht zynisch, aber auch sehr berührend“, betont Jury-Vorsitzender Christoph Ahlers, NDR Kiel.
Helga Bürster, geboren 1961, studierte Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft und Geschichte und lebt als Schriftstellerin in Dötlingen in der Wildeshauser Geest. Sie schreibt hoch- und niederdeutsch in verschiedenen Genres, unter anderem Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Hörspiele. 2015 gewann sie den Zonser Hörspielpreis für ihr Werk „Rogge“, 2023 für „De Kawentsmann“ und 2026 für „Töven“.
Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert und wird für besondere Leistungen auf dem Gebiet des niederdeutschen Hörspiels vergeben. Am Sonntag, 20. September, wird er im Rahmen der 78. Bevensen-Tagung, der Jahrestagung für Niederdeutsch, an Helga Bürster überreicht. Die Tagung steht unter dem Motto „Plattdüütsche Literatur – Allens blots Idyll…?“ und beginnt bereits am Freitag, 18. September, um 14:30 Uhr im Bad Bevenser Kurhaus. Um 20 Uhr zeigt die Niederdeutsche Bühne Kiel in der Dreikönigskirche Bad Bevensen das Werk „Kole witte Mann“.
Der Sonnabend, 19. September, startet mit drei Vorträgen zu den Themen „Schrieven över Gott un de Welt – Johann D. Bellmann över sik un sien Wark“, „Weg un Tiet – Oswald Andrae und der Paradigmenwechsel in der niederdeutschen Nachkriegsliteratur“ und „Niederdeutsch in Rostock – von Walter Kempowski erzählt“ bevor es wieder heißt „Op de Kist“. Auf der inzwischen legendären Kiste stellen Mitglieder und Gäste der Tagung ihre selbstverfassten Texte vor, die nicht länger als zwei Minuten dauern dürfen. Im Anschluss wird im Literarischen Kleeblatt über vier niederdeutsche Bücher ausgiebig diskutiert. Der Samstag endet mit dem Konzert „Brückenbauer“ mit Otto Groote und Bert Hadders. Groote hat 2012 mit dem Otto Groote Ensemble den Bad Bevensen-Musikpreis gewonnen, Hadders im vergangenen Jahr. Und mit einer bereits anfangs erwähnten Preisverleihung, die Verleihung des Hans-Henning-Holm-Preises an Helga Bürster, endet am Sonntag, 20. September, um 11:30 Uhr im Bad Bevenser Kurhaus die 78. Bevensen-Tagung.
PR
Foto: lincerta / Pixabay
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