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Freien Lauf lassen: Erfolgreiche Renaturierung an Thomasburger Mühle

Landkreis LÜNEBURG. Es ist ein idyllisches Ensemble in der Samtgemeinde Ostheide: die historische Thomasburger Wassermühle aus rotem Backstein, davor der Mühlenteich, umspielt vom kleinen Flüsschen Neetze. Doch was schön anzusehen ist, hat im wahrsten Sinne des Wortes auch Tiefgang. Denn während früher das Gewässer für Tiere und Pflanzen an entscheidender Stelle eine lebensfeindliche Sackgasse war, geht es dort inzwischen sehr rege zu. Grund dafür ist ein umfangreiches Renaturierungsprogramm unter der Federführung des Landkreises Lüneburg. Dessen Fachdienst Umwelt hatte vor acht Jahren das Projekt gemeinsam mit Beteiligten aus der Gemeinde, der AG Mühlenteich Thomasburg, dem Land und dem Wasserverband der Ilmenau-Niederung gestartet. Seit diesem Sommer sind nun alle Arbeiten beendet.

Im Rahmen des Renaturierungsprojekts in Thomasburg wurde auch das Mühlenwehr saniert.

„Um in der Neetze leben und sich vermehren zu können, müssen viele Tiere und Pflanzen mit dem natürlichen Gewässerlauf wandern. Genau das aber war jahrhundertelang rund um das Gelände kaum noch möglich“, erklärt Projektleiter Michael Loch vom Fachdienst Umwelt. Denn für den Betrieb der Wassermühle wurde das Gewässer gestaut. Der natürliche Flussverlauf war durch ein Wehr unterbrochen, nur ein kleines Rohr bot wenige Meter entfernt einen minimalen Durchgang in den vorhandenen Schleusengraben. „Unsere Aufgabe bestand im Kern darin, eine Art fließende Umgehungsstraße, ein sogenanntes Umgehungsgerinne, zu schaffen“, sagt Michael Loch. „Das klingt überschaubar, brachte aber eine Reihe von Herausforderungen mit sich.“ Denn in dem Projekt mussten die Verantwortlichen viele Aspekte berücksichtigen und in Einklang bringen, dazu gehörten Denkmalschutz, Statik, Ortsbild, Arten- und Naturschutz.

Schritt für Schritt arbeitete sich das Team in dem Projekt vor – manches war für Beobachter sichtbar, manches spielte sich im Hintergrund ab. So mussten die Fließverhältnisse bestimmt, die Gestaltung eines neuen Wasserlaufs berechnet und ein Altarm der Neetze entschlammt werden. Vorhandene Gewässerstrukturen wurden hergerichtet und über einen neu angelegten Abschnitt miteinander verbunden. Sehr viel Raum nahm auch das marode Mühlenwehr ein, das umfangreich saniert und modernisiert werden musste. Ausgestattet mit einer hydrostatischen Drucksonde reagiert es nun automatisch auf veränderte Pegelstände und reguliert so Hoch- und Niedrigwasser.

Nach den aufwändigen Arbeiten in den vergangenen Jahren ist nun wieder Ruhe am Mühlenteich eingekehrt. Für Tiere und Pflanzen hingegen hat die Reise gerade erst begonnen, der vernetzte Lebensraum und die Beseitigung der ökologischen Hindernisse zeigen schon jetzt ihre Wirkung. Ein Biologe, der das Projekt begleitet, hat viele neue Bewohner entdeckt, insbesondere der neue Neetzelauf wurde schnell und vielfältig besiedelt. „Kurz nachdem wir die wasserbaulichen Maßnahmen beendet hatten, konnten wir beispielsweise Fische wie das Neunauge oder die sehr empfindlichen Köcherfliegenlarven entdecken“, freut sich Michael Loch. Diese Entwicklung sei auch von überregionaler Bedeutung, erklärt er, denn: „Die Neetze gehört in Niedersachsen zu den ausgewiesenen Laich- und Aufwuchsgewässern und stellt gerade für Neunaugen einen wichtigen Lebensraum dar.“

Die Kosten für das Renaturierungsprojekt in Thomasburg liegen bei etwa 600.000 Euro. Das Geld stammt überwiegend aus Fördertöpfen von EU, Bund und Land. Rund 120.000 Euro übernimmt der Landkreis Lüneburg.

Weitere Renaturierungsprojekte im Bereich der Fließgewässer finden Interessierte unter www.landkreis-lueneburg.de/umwelt.

PR
Foto: Landkreis Lüneburg




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