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Überraschende Rolle rückwärts

EBSTORF. 45 Jahre hat das Ebstorfer Rathaus auf dem Buckel. Das Gebäude aus den 70er Jahren weist inzwischen einige Mängel auf. So entsprechen die elektrischen Installationen nicht mehr dem neuesten Standard. Kein Wunder, sind die elektrischen Anlagen im Rathaus nicht für den gestiegenen Stromverbrauch ausgelegt, sondern in erster Linie auf Beleuchtung und kleine technische Geräte. Umfangreiche EDV-Anlagen waren damals unvorstellbar, die technischen Anlagen inzwischen überaltert.

Bei Samtgemeindebürgermeister Martin Feller läuten deshalb die Alarmglocken. „Es geht um die Sicherheit der Beschäftigten“, betont der Verwaltungschef und erhöht der Druck in Bezug auf den geplanten Anbau an das Rathaus in Bad Bevensen, um dort die aktuell im Klosterflecken arbeitende Kämmerei langfristig sicher unterzubringen. Das ist die Ausgangslage der Sitzung des Samtgemeindeausschusses am Mittwoch, 9. Juni. Die Politik ist seit rund drei Jahren über den Zustand des Verwaltungssitzes in Ebstorf informiert. „Erhebliche Mängel in den Bereichen Brandschutz und Arbeitssicherheit sowie Elektrik“, wiederholt Bauamtsleiter Roland Klewwe gebetsmühlenartig. Feller: „Es sind Gutachten über eine eventuelle Sanierung des Rathauses in Ebstorf erstellt worden.“ Der Gesamtsanierungsbedarf wird mit 3,4 Millionen Euro beziffert. Inklusive Sanierung der Baumängel, die in absehbarer Zeit zu beheben wären.

Im Mai 2020 fällt die Politik einen Beschluss: Aufgrund der unverhältnismäßig hohen Kosten einer möglichen Sanierung sollen keine weiteren Sanierungsplanungen für das Rathaus Ebstorf vorgenommen werden. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Neubaulösung für ein bedarfsgerechtes Rathaus in Ebstorf darzustellen, die eine Verlagerung der Kämmerei nach Bad Bevensen berücksichtigt. Der Aufwand für eine Erweiterung des Rathauses Bad Bevensen ist zu ermitteln. Es folgen Planungen der Verwaltung zu einem Anbau sowie mehrere Gespräche mit Vertretern der Samtgemeinde und des Klosterfleckens. Seitens des Klosterfleckens wird eine Auflistung erstellt, welche Räumlichkeiten vorgehalten werden sollen – vom Bürgerbüro und Bürgermeisterzimmer bis hin zum Ratssaal. „Es gibt bereits gute Ideen“, so Feller. Ebstorf könne zudem vom Abriss des alten Rathauses profitieren, denn die Fläche liegt zentral in der Ortsmitte. Was das Rathaus in Bad Bevensen betrifft, so hat eine Arbeitsgruppe sich seit einem Dreivierteljahr mit dem Anbau auseinandergesetzt. Nach einer letzten Vorstellung der Anbau-Alternativen für Bad Bevensen soll sich die Politik am 9. Juni für eine Variante entscheiden, damit weiter geplant werden kann. Es folgt eine überraschende Rolle rückwärts: Ein Anbau wird generell abgelehnt. Dafür sollen plötzlich entgegen dem Beschluss aus Mai 2020 „schnellstmöglich“ die elektrischen Anlagen des Ebstorfer Rathauses erneuert werden – so lautet zumindest der gemeinsame Antrag der CDU/FDP-Gruppe und der SPD-Fraktion. Sie versprechen sich dadurch eine Einsparung der angedachten Erweiterung des Bad Bevenser Rathauses und eine überschaubare finanzielle Belastung der Samtgemeinde. Zudem werden Zweifel an den Kosten für die Gesamtsanierung geäußert.

Vorausgegangen war diesem Antrag ein Antrag der SPD-Fraktion, „zunächst alle erdenklichen Möglichkeiten zur Ausschöpfung von Homeoffice mit dem Ziel eines Anbauverzichts“ zu erforschen. Diesen Antrag hat die Verwaltung unter immensem Zeitdruck in einem neunseitigen Vermerk ausführlich beantwortet. Fazit der fachbereichsübergreifend besetzten Arbeitsgruppe: „Ein flächendeckender Einsatz von Desksharing (das heißt mehrere Beschäftigte teilen sich einen Schreibtisch, in dem sie ihre Arbeit an vereinbarten Tagen im Rathaus und zuhause erbringen) in einem Umfang, der die Schaffung zusätzlicher Raumkapazitäten im Falle der Aufgabe des Standortes Ebstorf ermöglicht, wäre nicht kurzfristig zu realisieren, mit erheblichen Kosten verbunden und bringt Nachteile im Hinblick auf die Serviceziele und eine effiziente Aufgabenerledigung der Samtgemeindeverwaltung, so dass ein Anbau weiterhin empfohlen wird.“

„Wir sind über einen längeren Zeitraum in die falsche Richtung geschickt worden“, ist Feller überrascht über den Antrag. Die Kosten allein für die Sanierung der Elektrik werden in einer Kostenermittlung durch Fachplaner mit rund einer Million Euro beziffert, allerdings ohne absehbare Folgekosten, die durch die Baumaßnahme im Schadstoffbereich und unzureichenden Brandschutz entstehen. Für die Zeit der Sanierung müssten die Beschäftigten des Ebstorfer Rathauses entsprechend woanders untergebracht werden. „Für mich wäre es nur logisch, wenn die Sanierung der Elektrik mit einer Sanierung des gesamten Gebäudes einhergeht“, so Feller. Ein Abriss des Rathauses wie ursprünglich beschlossen wäre nach einer kompletten Sanierung der Elektrik mehr als unwirtschaftlich und könnte den Bund der Steuerzahler auf den Plan rufen.

Eine Bürger-Info mit allerhand Ebstorfer Themen wird es am Montag, 28. Juni, um 19 Uhr im Schützenhaus des Klosterfleckens unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Verordnung geben. Dann gibt es weitere Informationen und Antworten zu Fragen zum Rathaus, zum Wald@mar und zur Thematik Umwandlung der Mauritius-Schule in eine Ganztagsschule. Beim letzten Punkt wird insbesondere der Mensa-Bau beleuchtet.

In der Sitzung des Samtgemeindeausschusses (17. Juni) wurde der Antrag der CDU/FDP-Gruppe und der SPD-Fraktion dahingehend ergänzt, als dass neben der Elektrik auch der Brandschutz und die Heizung instandgesetzt werden sollen. Der Antrag wurde angenommen.

PR




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