Verkehrsunfallstatistik 2020 der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen

Landkreise LÜNEBURG/LÜCHOW-DANNENBERG/UELZEN. Der bisher angenommene durchschnittliche Rückgang der Verkehrsbelastung von etwa 16 Prozent in Folge der Pandemie relativieren die Gesamtsituation und erschweren zielsichere Rückschlüsse und in Folge notwendige Maßnahmen. Rückschlüsse erscheinen daher nur in den Bereichen, und dort auch nur bedingt zielführend, in denen sich die Ergebnisse trotz der geringeren Verkehrsbelastung signifikant verschlechtert haben.

Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen

Nach der Steigerung im Jahr 2019 ist ein Rückgang der Gesamtunfallzahlen im „Pandemiejahr“ 2020 im gesamten Inspektionsbereich (Landkreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen) zu verzeichnen. Dabei sank die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2020 um -13,49 Prozent auf insgesamt 7633. Insgesamt starben 20 Menschen 2020 auf den Straßen der Region (2019 waren es 22).

Auch im Bereich der Schwerverletzten ist ein Rückgang zu verzeichnen; hier sank die Anzahl auf 243 (2019: 272), befindet sich jedoch weiterhin auf hohem Niveau.

Bei den Verkehrsunfällen mit Leichtverletzten sanken die Zahlen gravierend um 23,85 Prozent auf 875 (2019: 1149). Insgesamt wurden dabei 1107 Personen leicht verletzt.

Unter Berücksichtigung des Fahrverhaltens im Jahr 2020, welches sich nur schwer mit dem der vergangenen Jahren vergleichen lässt, betrachten die Verantwortlichen der hiesigen Polizeiinspektion die Zahlen dennoch kritisch

Die Zahl der Baumunfälle ist mit nahezu 20 Prozent ebenfalls rückläufig. Baumunfälle ereignen sich im Regelfall auf Landstraßen, bei denen die Fahrer zum Beispiel wegen eines Fahrfehlers, in Folge von Ablenkung oder zu hohen Tempos die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren, ins Schleudern geraten und anschließend gegen einen neben der Fahrbahn stehenden Baum prallen. Hier sank die Zahl wie in den Vorjahren wiederum um 19,61 Prozent von 204 (im Jahr 2019) auf 164 Unfälle im Jahr 2020. Dies ist u.a. auch auf verschiedene bauliche Maßnahmen/Projekte der letzten Jahre zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist hierbei trotzdem, dass im Jahr 2020 von den insgesamt 20 bei Verkehrsunfällen tödlich verletzten Personen 10 „am Baum“ starben. Das ist eine Situation, die aus Sicht der Polizei als besorgniserregend einzustufen ist.

Parallel mit dem Rückgang der Gesamtunfallzahlen sank auch die Anzahl der Wildunfälle um 15,05 Prozent auf 2421 (2019: 2850) knapp unter das Niveau von 2018. Dabei machen die Unfälle mit der Beteiligung von Wild nach wie vor fast ein Drittel der Unfälle in der Region aus.

Ein Indiz für eine grundsätzlich gesunkene „Verkehrsmoral“ ist weiterhin die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten in den letzten Jahren. Die Fallzahlen befinden sich somit seit mehreren Jahren trotz eines Rückganges im Jahr 2020 auf 1694 (-10,08%) auf zu hohem Niveau.

Einen Rückgang um 13,1 Prozent verzeichnete die Polizei bei den Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss (von 145 im Jahr 2019 auf 126 im Jahr 2020). Unverändert ist die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Einfluss von Betäubungsmitteln bzw. Medikamenten (29 in 2019 und 2020).

Die Fallzahlen bei der Unfallbeteiligung von Zweiradfahrern stehen nach wie vor im besonderen Fokus der Polizei. Erfreulich sind der Rückgang bei der Unfallbeteiligung der motorisierten Zweiradfahrer (-10,85 Prozent – mit 189 Beteiligten, 23 weniger als im Jahr 2019), sowie der Fahrradfahrer (-5,39 Prozent, von 557 Beteiligten im Jahr 2019 sank die Zahl auf 528).

Die Beteiligung der Pedelec-Fahrer stieg jedoch von 82 Beteiligungen im Jahr 2019 um 20,7 Prozent auf 99 im Jahr 2020, wobei ein Anstieg der Nutzer von Pedelecs sicherlich eine Rolle hierbei spielt. Von den 99 Pedelec-Fahrern wurden 12 schwer- und 79 leicht verletzt.

Aufgrund der Entwicklungen beim Unfallgeschehen mit der Beteiligung von Fahrrädern/Pedelecs/E-Bikes/ E-Scootern sowie motorisierte Zweiradfahrern wird die Polizei diese weiterhin intensiv beobachten und ihre Maßnahmen anpassen.

Zu den Hauptunfallursachen im Jahr 2020 gehörten weiterhin neben Vorfahrtsverstößen der zu geringer Abstand. Fehler beim Abbiegen sind um 25,29% rückläufig, ebenso Verkehrsunfälle in Folge zu hoher bzw. nicht angepasster Geschwindigkeit (-16,77 %)

Fazit:

  • Die Gesamtzahl der registrierten VU ist rückläufig, wobei es pandemiebedingt zu einem durchschnittlichen Rückgang von 15 bis 22 Prozent der Verkehrsbelastung in 2020 kam.
  • Es ereigneten sich grundsätzlich weniger Baumunfälle, allerdings starben etwa 50 Prozent der bei Verkehrsunfällen getöteten Beteiligten an einem Baum.
  • Die Zahl der Unfälle unter Beteiligung motorisierter Zweiräder ist insgesamt rückläufig.
  • Unfälle unter Beteiligung von Pedelecs sind erneut drastisch gestiegen – 50% der Beteiligten trugen keinen Helm!
  • Unfälle unter Beteiligung von sogenannten E-Scootern stieg erwartungsgemäß massiv, wenn auch (noch) in geringer Anzahl an; von 1 Unfall in 2019 auf 12 im Jahr 2020.
  • Der Rückgang der Schulwegunfälle ist vor dem Hintergrund des permanenten Lockdowns 2020 deutlich zu gering – 26 Schulwegunfälle im Jahr 2020 im Vergleich zu 39 im Jahr 2019.
  • Die Zahl der Getöteten ist um 9% gesunken, die Zahl der Verkehrstoten stagniert somit insgesamt auf hohem Niveau -trotz Pandemie! ? Die Zahl der schweren Personenschäden ist gesunken ? Folgenlose Fahrten Alkohol bzw. BTM/Medikamente haben zugenommen. Die Polizei verzeichnete einen leichten Anstieg 5,8 Prozent bei den Fahrten unter Alkoholeinfluss (mit 365 sind es 20 mehr als im Vorjahr) und einen massiven Anstieg um 68,49 Prozent bei den Fahrten unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln bzw. Medikamenten (369 im Jahr 2020, 219 im Jahr 2019). Damit ist der von der Polizei seit längerem prognostizierte Umbruch eingetreten. Die Zahl der Verstöße unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln bzw. Medikamenten übersteigt erstmalig die Zahl der Verstöße mit Alkohol.
  • Die Zahl Unfallfluchten war leicht rückläufig
  • Die Anzahl der Unfälle unter Beteiligung von Senioren ist 2020 deutlich rückläufig.
  • Die Anzahl der Unfälle der „Jungen Wilden“ ist zwar rückläufig, spiegelt aber in keiner Weise die Auswirkungen der Pandemiebeschränkungen wieder.
  • Unfälle mit Wild sind in 2020 deutlich rückläufig.
    Ausblick 2021
  • Die Verkehrssicherheitsarbeit bleibt auch im Jahr 2021 ein Schwerpunkt der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen.
  • Es werden dabei die Bereiche „Verkehrssituation auf der Bundesstraße 4“, Senioren, aber auch das Verkehrsverhalten gegenüber und von Radfahrenden im Fokus stehen.
  • Bei der Verkehrsüberwachung wird die Polizei in der Region neben den Themenfeldern Geschwindigkeit und Alkohol/Drogen auch weiterhin den Schwerpunkt auf das Thema „Ablenkung/Smartphone am Steuer“ legen.
  • Zur Unfallursache Ablenkung ist ausdrücklich anzumerken, dass der Bereich weiter intensiv beobachtet und Verstöße im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten konsequent geahndet werden.
    ? Darüber hinaus wird die Polizei die motorisierten Zweiräder und die Elektrokleinstfahrzeuge (E-Scooter) genau im Blick behalten. Darüber hinaus bedürfen auch die weitere Entwicklung der E-Mobilität und die daraus resultierenden Probleme der weiteren Analyse und Maßnahmen.
  • In Erwartung der zukünftigen Auswirkungen des demografischen Wandels liegt die Altersgruppe der älteren Menschen besonders im Fokus der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit.
  • Die Verkehrssicherheitsprogramme, wie „Fit im Auto“ und „Fit mit dem Pedelec“ in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht, werden konsequent fortgesetzt und ausgebaut.

ots





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