Auf der Lüneburger Heide mit 528 Tonnen und 70 Meter Länge: neuer Trafo für TenneT-Umspannwerk Stadorf

Landkreis LÜNEBURG. Über das TenneT-Umspannwerk Stadorf (Landkreis Uelzen) werden seit Beginn der 1980er Jahre weite Bereiche des östlichen Niedersachsens sicher mit Strom versorgt. Im Zuge der Energiewende und des damit verbundenen Transports von grünem Windstrom Richtung Süden übernimmt die Anlage im Schwienauer Ortsteil Stadorf zukünftig auch eine überregional wichtige Aufgabe. Hierfür wird das Umspannwerk umfassend modernisiert und um eine sogenannte TCSC (Thyristor Controlled Series Capacitors) Anlage erweitert. Es handelt sich bei dieser Serienkompensationsanlage um die erste ihrer Art in ganz Deutschland.

Stromflüsse suchen sich wie Wasserflüsse stets den Weg des geringsten Widerstandes. Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Ausbau erneuerbarer Energiequellen führt dies im deutschen Übertragungsnetz regelmäßig zu Engpässen vor allem in der Nord-Süd-Achse. Regulierende Netzeingriffe sind mittlerweile fast täglich zur Sicherung des Netzes notwendig und verursachen allein im TenneT-Netz Kosten von knapp einer Milliarden Euro pro Jahr.

Um die chronisch überlastete Leitung zwischen Stade und Landesbergen bei Nienburg/Weser zu entlasten, wird mit dem Bau der TCSC-Anlage in Stadorf die Möglichkeit geschaffen, Lastflüsse über die Leitung zwischen Krümmel bei Geesthacht in Schleswig-Holstein über Stadorf nach Wahle im Landkreis Peine zu lenken. Dies erhöht die Sicherheit im Netzbetrieb und wird dazu beitragen, die Abriegelung von Windkraftanlagen in Norddeutschland zu reduzieren. Dadurch wird die TCSC-Anlage auch zu einer Verringerung der Kosten durch Netzeingriffe beitragen. Es können jährlich Einsparungen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags erzielt werden. Diese werden sich unmittelbar auf die Netzentgelte auswirken und damit jedem Stromverbraucher zu Gute kommen.

Der sogenannte Direktkuppeltransformator wird im Rahmen der Modernisierung das neue Herzstück des Umspannwerks. Er verbindet die 380 Kilovolt (kV) Leitungen von TenneT mit den 110-kV-Leitungen der Avacon. Mit einer Übertragungskapazität von 300 Megavoltampere (MVA) kann der Trafo rein rechnerisch Strom für rund 500.000 Haushalte transformieren. Hierbei ist ein Lastfluss in beide Richtungen möglich, wodurch im Bedarfsfall auch überschüssiger lokal erzeugter Grünstrom abtransportiert werden kann. Die Hauptaufgabe des Trafos ist vergleichbar mit einer Autobahnauf- bzw. abfahrt, die Bundes- und Landesstraßen mit einer Autobahn verbindet.

Der Antransport ist in der Nacht vom 14.07. auf den 15.07. geplant. Zunächst wurde der Trafo vom Hersteller Royal SMIT im niederländischen Nijmegen zum Hamburger Hafen verschifft. Von dort ging es per Bahn zum Bahnhof Brockhöfe. Der letzte rund 17 Kilometer lange Abschnitt erfolgt per Straßentransportzug von Brockhöfe nach Stadorf. Hierfür kommt eine sogenannte Kesselbrücke zum Einsatz, die von einer Zug- und einer Schubmaschine angetrieben wird. Insgesamt kommt der Transport dadurch auf eine Länge von 70 Meter und auf ein Gesamtgewicht von 528 Tonnen, das sich auf insgesamt 30 Achsen verteilt.

Um die Beeinträchtigungen des Verkehrs zu minimieren startet der Transport am Bahnhof Brockhöfe voraussichtlich um 22:00 Uhr und soll nach zwei bis drei Stunden das Umspannwerk Stadorf erreichen. Mit der Fundamentsetzung am 15.07. ist der Transport abgeschlossen.

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