„Sir Janusch“ ist der kleine Star beim 51. Celler Fackelschwimmen

CELLE/SUDERBURG. 2019 startete nunmehr die 51. Auflage des beliebten Celler Aller-Winter-Fackelschwimmens des DLRG. An diesem Abend waren alle Sieger, die sich am Spätnachmittag in die Aller stürzten. Bunte Requisiten und die Fackeln auf dem Wasser sind immer wieder ein anschauliches Spektakel. Die zahlreich erschienenen Zuschauer warteten geduldig und gespannt auf der Pfennigbrücke und am Ausstieg am Allerufer und wurden nicht enttäuscht.

Die gut 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stürzten sich um 16:45 Uhr an der Allerbrücke in Altencelle ins kühle Nass. Neoprenanzüge waren auf dem „Aller Laufsteg“ auch in diesem Jahr wieder en vogue und erforderlich. Das ist eine Grundvoraussetzung. Obwohl in diesem Jahr eine vergleichsweise angenehme Lufttemperatur herrschte, ist die Unterkühlung im Wasser nicht zu unterschätzen.
Der starke Regen hatte aufgehört und die Wolkendecke riss auf, als sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Fluten begaben und sich nun mit der Strömung die vier Kilometer Richtung Pfennigbrücke treiben ließen. Das ging dann doch nicht so schnell, da die Strömung nicht so stark wie sonst war und auch der Gegenwind die Schwimmer ausbremste.

Bei allem Jux ist die Veranstaltung in einem Punkt ihrem ursprünglichen Anliegen treu geblieben. Sicherheit ist das oberste Gebot. So wurden die Schwimmerinnen und Schwimmer von Rettungsbooten begleitet und am Ufer waren Rettungswagen stationiert. Die Rettungskräfte waren auf Einsätze vorbereitet, die allerdings nicht notwendig wurden. So war die Veranstaltung für die beteiligten Einrichtungen DLRG, Malteser, THW und Freiwillige Feuerwehr eine koordinierte Übungseinheit.

Im Zielbereich am Allerufer herrschte eine gute Stimmung. Für das leibliche Wohl war gesorgt und die Zuschauer hatten Gelegenheit, sich während der Wartezeit die vielen Einsatzfahrzeuge anschauen.

Uwe Senft von der DLRG hatte am Samstag zwar viele interessierte Bürgerinnen und Bürger um sich, doch im Mittelpunkt stand sein Rettungshund „Sir Janusch“. Der Neufundländer, auch „Joschi“ genannt, ist ein wirklich großes Exemplar – 5 Jahre alt und 80 kg schwer – und hat ein außergewöhnlich liebes Gemüt. Er kann große Dinge bewegen und registriert, wenn es Kindern schlecht geht. Uwe Senft kommt aus Suderburg und begeistert nicht nur auf so großen Ereignissen die Zuschauer, er möchte den Rettungshund auch in Celle dem DLRG näherbringen, denn dieser unterstützt an Land genauso wie im Wasser die Retter. Beim Fackelschwimmen war er jedoch nur Botschafter und Gast zugleich und ein Hingucker für die Zuschauer.
Wenige hundert Meter vor dem Ziel Pfennigbrücke hatten die Helfer der DRLG Ortsgruppe Celle, der Freiwilligen Feuerwehr und der Malteser eine Zwischenstation aufgebaut. Die Schwimmer konnten hier kurz Halt machen, etwas trinken und sich eine der Fackeln nehmen.
Bunter Kopfschmuck, Musik, Kostüme, Schwimmreifen, Tröten und Bengalisches Feuer waren die weiteren Begleiterscheinungen und Utensilien, mit denen sie das Ziel ansteuerten. Spaß und Auffallen, das war die Devise, die beim Publikum rund um den Ausstieg an der Pfennigbrücke gut ankam.

Während Frank Schwarz aus Lachendorf, der das 5. Mal dabei war, als erster Schwimmer das Ziel erreichte, folgten ihm auch schon David und Daniel Hubbard aus Höfer bei Eschede. Vater und Sohn kennen auch bereits die Strecke und hatten sich sogar Musik zur Unterhaltung auf der langen Strecke mitgenommen. So dröhnte auf der Zielgeraden aus den Lautsprechern „Griechischer Wein“, dem Klassiker von Udo Jürgens. Das gab wohl Motivation, um auf den letzten Metern schnell und entspannt zugleich anzukommen.
Die Wikinger „Tauchtnix“ aus Langlingen unter „König Kniffke“ sorgten unter anderem für Aufsehen. In einer Bootssänfte wurde ihr König von den zahlreichen Schwimmern gezogen. Lautstark machten sie sich bei der Ankunft bemerkbar; sie waren in ihrer klassischen Kopfbedeckung, dem Hörnerhelm, nicht zu übersehen. Es war schon ein spektakuläres Ereignis, als sie sich dem Ufer näherten und den Fuß ans Ufer setzten. Und in einem gemeinsamen Kraftakt musste nun auch noch die schwimmende Sänfte an Land gezogen werden, da legte auch „Kniffke“ Hand als Schieber an, und unter seinen Kommandos konnte der Kraftakt schnell beendet werden.
Beim Ausstieg warteten auch schon die fleißigen Helferinnen und Helfer der DLRG. Die erste Amtshandlung beim Ausstieg war, die ankommenden Schwimmer zu registrieren, um festzustellen, dass auch alle angekommen sind. Auch hier wurden sie von der Freiwilligen Feuerwehr und den Maltesern unterstützt. Gut beleuchtet von der THW Beleuchtungsgruppe aus Celle konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun stärken. Busse der CeBus warteten an der Straße, hier konnten sie sich aufwärmen oder umziehen.

Bestens wurde für alle gesorgt, auch für diejenigen, die leider vorzeitig aussteigen mussten. Es war am Samstag eine schwierige Wetterlage, denn die Aller hatte fast gar keine Strömung und die Schwimmer konnten sich nicht entspannt treiben lassen. So verzögerte sich auch generell die Ankunft an der Zwischenstation und letztendlich am Ziel.

Sieger waren jedoch alle Schwimmerinnen und Schwimmer, denn es gehört schon viel Mut und Ausdauer dazu, sich im Winter in die Aller zu stürzen. Es zählt nicht die Schnelligkeit und der Schwierigkeitsgrad, sondern die Originalität und der Spaß an der Sache – vielleicht auch der olympische Gedanke: Hauptsache dabei gewesen.
Das im Jahre 1966 ins Leben gerufene „Allerschwimmen“, entstand aus einer Idee der damaligen DLRG Tauchergruppe, das ursprünglich als Konditionstraining und Erprobung der Ausrüstung dienen sollte. Damals entschieden sich 11 Mitglieder dazu mit ihren Taucheranzügen in Altencelle in die ca. 4-6 Grad kalte Aller zu begeben und die zu dieser Zeit 9 Stromkilometer bis in den Celler Hafen treiben zu lassen. Was in den ersten Jahren lediglich als interne Trainingseinheit gedacht war, wurde bald darauf durch die örtliche Feuerwehr und dem britischen Militär erweitert. Auch sie sahen den Nutzen zur Erprobung ihrer Materialien und Kondition. Durch Presse und Mundpropaganda fragten schließlich auch angrenzende Tauchsportvereine an, um bei dieser Aktion dabei sein zu können. Schließlich entstand das Allerschwimmen so wie man es heute noch erleben kann. Lediglich zweimal innerhalb der vergangenen Jahre musste das Schwimmen aufgrund nicht beeinflussbarer Umwelteinflüsse abgesagt werden. „Wenn Eisgang auf der Aller oder vereiste Wege die Sicherheit der Teilnehmer und Zuschauer gefährdet, muss man mal in den sauren Apfel beißen und eine solche Veranstaltung schweren Herzens absagen“ so Pressesprecher Mathias Dannenberg. Die Veranstaltung ist aus dem Celler Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Initiator und Mann der ersten Stunde, Karl Ströher, war auch in diesem Jahr wieder mit dabei – jedoch nicht mehr als aktiver Schwimmer.

Redaktion
Uelzener/Celler Presse